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Cyanotypie

Achtung! Auch wenn Fotochemikalien nicht direkt lebensgefährlich sind, ist dennoch Vorsicht geboten. Schutzkleidung, Handschuhe und Brille sind Pflicht, vor allem beim Umgang mit Säuren. Grundkenntnisse im Umgang mit Rohchemikalien werden vorausgesetzt. Alle hier vorgestellten Rezepte wurden von mir ausprobiert; nichtsdestotrotz geschieht die Benutzung dieser Rezepturen auf eigene Gefahr, ich gebe keine Gewähr für die Richtigkeit der Angaben!

Ein einfacher historischer Prozeß

Die Cyanotypie ist ein einfacher "alternativer" fotografischer Prozeß, der bereits im Jahre 1842 von Johann Herschel entdeckt wurde und das erste silberfreie fotografische Verfahren darstellte. Der Prozeß beruht auf der UV-Lichtempfindlichkeit bestimmter Eisensalze und liefert Bilder in leuchtendem Preußischblau. Belichtet wird im Kontaktkopierverfahren, daher sind Negative in der Größe des späteren Bildes unerläßlich. Lichtquelle ist die Sonne oder eine künstlichen UV-Lampe, z.B. ein Gesichtsbräuner.

Zutaten

Lösung A
  • 25 g Ammoniumeisen(III)citrat, grün
  • in 100ml Aqua dest auflösen
Lösung B
  • 16 g Kaliumferricyanid (rotes Blutlaugensalz)
  • in 100ml Aqua dest auflösen

Das Ammoniumeisen(III)-Citrat gibt es auch in brauner Form (höherer Eisenanteil), es sollte aber stets die grüne Form verwendet werden, da diese lichtempfindlicher ist. Die Lösung A ist nicht unbegrenzt haltbar - bei Raumtemperatur einige Tage, im Kühlschrank etwa 3 Wochen. Danach bilden sich auf der Oberfläche Schimmelstippen. Diese können zwar abgefiltert werden, doch sollte stets mit möglichst frischem Ansatz gearbeitet werden.

Die Lösung B ist praktisch unbegrenzt haltbar.

Weder Lösung A noch B sind lichtempfindlich.

Beschichten des Trägers

Der Ansatz der beiden Lösungen A und B kann noch bei Tageslicht geschehen. Die eigentliche Emulsion wird nun dadurch hergestellt, daß gleiche Teile von Lösung A und B gemischt werden. Diese Emulsion ist nun lichtempfindlich, eine 25Watt- Glühlampe in ausreichender Entfernung kann noch zur Beleuchtung dienen. Es darf aber auf keinen Fall Tageslicht oder Leuchtstoffröhrenlicht ins Zimmer gelangen!

Die Emulsion ist sehr kurzlebig und sollte sofort verarbeitet werden, daher immer nur soviel mischen, wie gerade benötigt wird.

Beschichtet werden kann so ziemlich alles, was die Emulsion annimmt. In der Regel nimmt man dazu aber Aquarellpapier. Es ist darauf zu achten, daß es sich bei dem Papier um reines Hadernpapier (100% Baumwolle) handelt. Bekannte Marken sind z.B. Hahnemühle oder Arches Aquarelles. Das Papiergewicht sollte mindestens 200g/qm betragen. Als Oberfläche sollte man glatte oder satinierte Varianten wählen, es sei denn, daß man die Struktur von rauhen Papieren gezielt einsetzen will.

Die Emulsion wird nun mit einem Pinsel auf das Papier aufgebracht; die Fläche sollte etwas größer sein als das beabsichtigte Bild. Die Emulsion sollte gleichmäßig aufgetragen werden, zu feuchte Stellen werden mit Löschpapier abgetupft. Anschließend kann man das Papier an der Luft trocknen (ca. 1-2 Stunden) oder einen Fön zur Hilfe nehmen. Das beschichtete, trockene Papier ist nicht lagerfähig und sollte umgehend belichtet werden.

Belichten

Auf das trockene Papier wird nun das Negativ aufgelegt (Achtung - feuchte Stellen können das Negativ beschädigen!). Dieses Sandwich wird in einen Kontaktkopierrahmen gelegt - wenn man keinen hat, tut es für den Anfang auch ein einfacher Clip- Bilderrahmen.

"Natürliche" Belichtung: man stellt den Rahmen in die Sonne, und zwar so, daß die Bildfläche senkrecht zur gedachten Verbindungslinie zur Sonne liegt. Die Belichtungszeit hängt hier ganz entschieden vom Wetter und vom UV-Anteil des Lichts ab - ich habe dieses Verfahren noch nicht ausprobiert, andere Quellen sprechen aber von Belichtungszeiten im Bereich 20-60 Minuten.

"Künstliche" Belichtung: da die Sonne in unseren Breiten eine sehr unzuverlässige Lichtquelle ist, sollte man lieber auf einen künstlichen UV-Strahler zurückgreifen. Für den Hausgebrauch bieten sich Solarien bzw. Gesichtsbräuner an; ich habe einen mit 6x20 Watt und komme damit auf Belichtungszeiten von 15-30 Minuten. Der Abstand des Kopierrahmens von den Röhren entspricht dabei ungefähr der Bilddiagonale.

Die Belichtung ist korrekt, wenn die Schatten blaugrau, die Lichter türkisfarben sind und das Bild einen solarisierten Eindruck macht. Leider läßt sich dies ohne einen professionellen Kopierrahmen nicht kontrollieren, daher ist bei Verwendung eines Cliprahmens die Methode von "Versuch und Irrtum" angesagt. Generell ist eine Überbelichtung aber nicht so tragisch wie eine Unterbelichtung.

Entwickeln

Entwickelt wird mit kaltem fließendem Wasser. Dabei wird ein Großteil des blauen Farbstoffes ausgewaschen. Die "Entwicklung" ist beendet, wenn keine blaue Farbe mehr wegschwimmt und wenn der gelbliche Ton in den Lichtern komplett verschwunden ist.

Anschließend kann das Bild nach einer der üblichen Methoden getrocknet werden (z.B. Aufziehen mit Naßklebeband). Dabei dunkelt das Blau durch Oxidation noch nach.

Wenn man sofort sehen will, wie der Farbton letztlich aussieht, so kann man das Bild direkt nach dem "Entwickeln" für einige Sekunden in einer 0,1%igen Wasserstoffperoxidlösung baden, dann findet die Oxidation schlagartig statt. In diesem Fall ist anschließend noch einmal kurz zu wässern.

Abschließende Hinweise

Dies ist nur ein kurzer Abriß des Verfahrens. Detaillierte Hinweise findet man auf der hervorragenden Cyanotypie-Website von Jochen Schulte oder (in Englisch) bei Mike Ware.

Wie komme ich zu großen Negativen?

Eine Großformatkamera benutzen, möglichst 8x10". Oder digital, d.h. per Scanner und Druck auf Folien. Oder mit einer Kontaktkopie eines normalen S/W-Abzugs auf Printfilm. Hierzu gibt es einen eigenen Artikel: Großnegative für Cyanotypie.

Bildbeispiele

Es gibt jetzt eine Galerie mit Cyanotypien!

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Artikelhistorie

2005-02-11
Erste Fassung