Beliebte Fehler
Murphy läßt grüßen...
Bekanntlich geht alles schief, was nur schief gehen kann. Hier einige mögliche Ursachen für "beliebte" Fotolabor-Fehler, die nicht nur Anfängern unterlaufen.
Hinweis: C41 bezeichnet den Prozeß zur Entwicklung von Farbnegativen, RA4 ist die Bezeichnung für die Herstellung von Farbvergrößerungen davon. Dias werden im sogenannten Prozess E6 entwickelt - dazu kann ich aber mangels Erfahrung gar nichts sagen, auch nicht zum Thema "Abzüge von Dias" (Ilfochrome). Alle Angaben für die Negativentwicklung beziehen sich auf Handverarbeitung - zu möglichen Fehlerquellen mit Rotationsprozessoren kann ich ebenfalls keine Angaben machen.
Negativentwicklung
Film klemmt beim Einfädeln in die Spirale
- Spirale feucht - die muß aber absolut trocken sein! Ggfs. kurz(!) in die Mikrowelle stecken. Natürlich ohne den Film (erwähne ich mal vorsichtshalber... ;-)
- Film feucht, evtl. durch Schwitzen - Baumwollhandschuhe tragen.
- Chemikalienreste in den Windungen angetrocknet. Achtung: wenn Sie irgendetwas anderes als heißes Wasser zum Reinigen der Spiralen verwenden, dann müssen die Spiralen anschließend gründlichst mit klarem Wasser nachgespült werden, damit sich keine Spülmittelreste in das nächste Entwicklerbad verirren!
- Abhilfe bei Feuchtigkeits- und Schmutzproblemen: in der Situation (sprich: im Dunklen) sehr schwierig. Entweder eine andere Spirale bereitliegen haben oder für den Moment aufgeben, den Film lose in eine andere bereitstehende lichtdichte Dose stecken, trocknen lassen und später nochmal versuchen.
-
Filmende nicht oder falsch angeschnitten. So sieht der Anfang des Kleinbildfilm aus,
wenn er aus der Patrone kommt:

So bekommen Sie ihn nie rein (in die Spirale ;-), das Ende muß angeschnitten werden. Aber nicht so...:

... und auch nicht so:

Einzig richtig ist

Die jeweils letzten Perforationslöcher müssen unversehrt sein! - Auch bei Rollfilm kann es nicht schaden, die Filmecken leicht(!) abzurunden. Sollten Sie zwei Rollfilme hintereinander in eine Spirale einfädeln, dann ist es aber meiner Erfahrung nach besser, den zweiten Film nicht anzuschneiden.
- Diese Hinweise beziehen sich auf die verstellbaren "Duo"-Spiralen von Jobo, die am weitesten verbreitet sein dürfen. Bei anderen Fabrikaten, welche teilweise von innen nach außen eingespult werden, können bestimmt noch andere Probleme auftauchen - mit solchen Geräten kenne ich mich aber nicht aus.
Negative zu dünn (S/W und C41)
- Unterbelichtung, ggfs. in Kombination mit Unterentwicklung (d.h. entweder Entwicklungszeit zu kurz, Entwicklerkonzentration zu niedrig, Temperatur zu niedrig oder Kipprhythmus zu langsam)
Negative zu dicht (S/W und C41)
- Überbelichtung, ggfs. in Kombination mit Überentwicklung (d.h. entweder Entwicklungszeit zu lang, Entwicklerkonzentration zu hoch, Temperatur zu hoch oder Kipprhythmus zu schnell)
Negativ zu flau (S/W und C41)
- Unterentwicklung (s.o.)
Negativ zu hart (S/W und C41)
- Überentwicklung (s.o.)
Streifen in Querrichtung des Films (S/W)
- zu geringe Bewegung (Bromidabläufe)
Schaum in der Dose (S/W)
- zu heftige Bewegung beim Kippen
- Reste vom Netzmittelbad in der Dose
Bräunliche Flecken (S/W)
- Unzureichende Fixierung und/oder Wässerung
Kalkflecken (S/W und C41)
- Abschließendes Netzmittelbad vergessen
- zu hartes Wasser - besser Aqua dest verwenden
Filmträger ist rosa (S/W - speziell Kodak TMax, Ilford Delta)
- Unzureichende Fixierung und/oder Wässerung. Diese Filme benötigen längere Fixierzeiten als "klassische" Emulsionen!
Runzelkorn (S/W)
- Zu hohe Temperaturdifferenz der einzelnen Bäder bzw. des Waschwassers. Ein Bildbeispiel dazu findet sich auf Christian Zahns Fotoseiten
Leerer Film - aber mit lesbarer Randmarkierung (S/W und C41)
- massive Unterbelichtung
- Kameraverschluß defekt
- falsche Blitzsynchronisation bei älteren Kameras mit M- und X-Position
- leeren Film entwickelt
Leerer Film - ohne lesbare Randmarkierung (S/W und C41)
- massive Unterentwicklung oder "gekippter", d.h. unwirksamer alter Entwickler
- Klares Wasser anstatt des Entwicklers benutzt (nur S/W)
- Bäder vertauscht - z.B. zuerst Fix und dann Entwickler
Hinweis: manche Filme, vor allem solche osteuropäischer Herkunft, haben keine Randbeschriftung. Bei solchen Filmen ist also leider nicht unterscheidbar, ob es sich um einen Entwicklungs- oder einen Belichtungsfehler handelt (danke an Stefan Heymann für diesen Hinweis!).
Kleine halbmondförmige dunkle Stellen im Negativ (S/W und C41)
- Druckbelichtung durch Knicken des Filmträgers beim Einspulen
Fingerabdrücke (S/W und C41)
- Feuchte Hände beim Be- oder Entladen der Kassetten (Planfilm) bzw. beim Laden der Spiralen (KB und Rollfilm). Baumwollhandschuhe tragen!
Positiventwicklung
Print zu flau (S/W und RA4)
- Papierentwickler zu kalt
- Papierentwickler erschöpft
- zu weiche Gradation gewählt (nur bei S/W)
Print vergraut/verschleiert (S/W und RA4)
- Papierentwickler zu warm
- zu lange entwickelt
- Streulicht vom Vergrößerer
- Dunkelkammerlampe nicht für das jeweilige Papier geeignet
- Papierverpackung nicht lichtdicht oder bei Raumbeleuchtung geöffnet
Print zu dunkel (S/W und RA4)
- Abblenden vergessen
- Sie haben Probestreifen gemacht, z.B. 6 mal 2 Sekunden, und dann den endgültigen Abzug mit 12 Sekunden. Im ersten Fall geht die Lampe des Vergrößerers 6mal an und aus, im zweiten Fall nur je einmal - die Gesamtlichtmenge ist dann größer. Es gibt auch einen speziellen Artikel zum Thema logarithmische Probestreifen.
- Sie haben den Probestreifen naß beurteilt, und das Papier ist beim Trocknen nachgedunkelt. Bitte lesen Sie hierzu meinen Artikel über den Dry Down-Effekt.
Print zu hell (S/W und RA4)
- zu stark abgeblendet
Abwechselnd zu helle/zu dunkle Prints (S/W und RA4)
- Schwankungen in der Netzspannung
- Wackelkontakt im Vergrößerer
- Halogenlampe kurz vorm Absterben
Print ist unscharf (S/W und RA4)
- Der Vergrößererkopf ist locker und rutscht während der Belichtung nach unten.
- Sie haben beim Scharfstellen das Rotfilter eingeschwenkt. Dieses wirkt aber je nach Gerät wie eine Linse und verstellt die Fokussierung.
- Sie haben bei Offenblende scharfgestellt, und Ihr Objektiv hat einen Fokus-Shift, d.h. die Schärfe verändert sicht beim Abblenden (selten, nur bei alten und/oder einfach gebauten Objektiven)
- Erschütterungen während der Belichtung
- Negativ-, Objektiv- und Papierebene sind nicht parallel
- Unbrauchbarer bzw. verstellter Kornscharfsteller. Zu diesem Thema gibt es jetzt einen eigenen Artikel: Stolperfalle Kornscharfsteller
Braune Flecken auf Print (S/W)
- Unzureichende Fixierung oder Print im Fixierbad trockengefallen - ausreichend bewegen!
- Unzureichende Wässerung oder Print bei der Wässerung trockengefallen.
Flecken/Streifen auf getonten Bildern (S/W)
- Unzureichende Bewegung in einem oder mehreren Bädern (Entwickler, Fixierer, Bleicher, Toner)
- unzureichende Wässerung nach dem Fixieren oder zwischen Bleichbad und Tonerbad
Print verliert Farbbrillanz (RA4)
- Stabi-Bad vergessen oder erschöpft
Fingerabdrücke auf Print (S/W und RA4)
- Sie haben das Papier mit feuchten Fingern aus der Packung genommen.
Heißgetrockneter Barytprint ist wellig (S/W)
- Sie haben das Papier zu lange in der Trockenpresse gelassen. Sie dürfen es nicht "backen" - das Papier muß noch eine gewisse Restfeuchtigkeit haben, wenn Sie es aus der Presse nehmen.
Flecken/Streifen auf getonten Bildern
- Unzureichende Bewegung in einem oder mehreren Bädern (Entwickler, Fixierer, Bleicher, Toner)
- unzureichende Wässerung nach dem Fixieren oder zwischen Bleichbad und Tonerbad
Immer stärkere Gelbfilterung erforderlich (RA4)
- Entwickler erschöpft
Weitere Fehlermöglichkeiten beim RA4-Positivprozess ...
... teilweise auch sehr exotische, hat Christian Zahn auf seinen Fotoseiten zusammengestellt.
Wird fortgesetzt...
Die Liste der möglichen Fehler ist schier endlos, mir fällt bestimmt nach und nach noch mehr ein. Wenn Sie auch einen "beliebten Fehler" kennen, dann lassen Sie es mich wissen, ich werde ihn dann hier aufnehmen.
Artikelhistorie
- 2005-08-23
- Ergänzung: Hinweis auf separaten Artikel über Kornscharfsteller
- 2005-08-12
- Ergänzung: Fehler beim Einfädeln von Filmen in die Spiralen
- 2005-06-26
- Ergänzung: Fehler beim Tonen
- 2005-06-12
- Ergänzung: Hinweis auf Filme ohne Randmarkierung
- 2005-06-09
- Erste Fassung